Immobilieninvestments in der neuen Innenstadt
Die österreichischen Innenstädte verändern sich rasant. Filialschließungen, sinkende Frequenz und Leerstände prägen viele Standorte — gleichzeitig entstehen daraus konkrete Investmentchancen für mutige Entwickler und institutionelle Investoren. Mixed-Use-Konzepte verbinden Wohnen, Arbeiten, Gastronomie und Freizeit in einem Gebäude, ESG-konforme Sanierungen werden zur Marktnotwendigkeit, urbane Quartiersentwicklung schafft langfristig wertstabile Assets. Allerdings sind die in Marketing-Materialien oft beworbenen "6 bis 10 Prozent Rendite" mit Vorsicht zu lesen — realistische Nettorenditen bei Mixed-Use-Conversions liegen 2026 eher bei 4 bis 6 Prozent, abhängig von Lage, Konzept und Förderlandschaft. Mehrere strukturelle Veränderungen 2026 verschärfen die Komplexität: Die Sanierungsoffensive wurde seit November 2025 auf max. 30 Prozent reduziert und nimmt seit 2. Februar 2026 nur noch Anträge für Kesseltausch entgegen. Die EPBD-Revision 2024 hat zwar die ursprünglich vorgeschlagene Klassen-Sanierungspflicht für Wohngebäude aus der finalen Fassung gestrichen, fordert aber 16 Prozent Primärenergie-Reduktion bis 2030. Das Mietenpaket 2026 begrenzt Mietsteigerungen für Wohnanteile im MRG-Bereich erheblich. Dieser Beitrag zeigt die Marktrealität, realistische Strategien, ESG-Anforderungen und die Top-Standorte in Österreich.
Der strukturelle Wandel der österreichischen Innenstädte
Wo der Druck herkommt
Mehrere strukturelle Faktoren haben den österreichischen Innenstadthandel in den letzten 15 Jahren unter Druck gesetzt:
Online-Handel: Der österreichische Online-Handel wuchs in den 2010er Jahren mit zweistelligen Raten, hat sich aber 2024-2026 auf moderatere 4-7 Prozent jährliches Wachstum abgekühlt. Der Marktanteil im gesamten Einzelhandel liegt mittlerweile bei rund 13-15 Prozent (laut Handelsverband Österreich), in einzelnen Segmenten wie Elektronik, Mode oder Spielwaren deutlich höher.
Strukturkrise stationärer Großvermieter: Internationale Modemarken haben in den letzten Jahren Filial-Netze ausgedünnt. Kaufhaus-Konzepte (vormals Kaufhaus Steffl, einzelne Sortimentskaufhäuser) kämpfen mit veränderten Konsumgewohnheiten. Die durchschnittliche Leerstandsquote in zentralen Lagen österreichischer Landeshauptstädte liegt 2026 zwischen 8 und 14 Prozent, in B-Lagen und kleineren Bezirksstädten teilweise höher.
Veränderte Kundenströme: Der durchschnittliche Wiener Innenstadtbesucher gibt weniger Zeit pro Besuch aus, die Frequenz hat sich seit 2019 in vielen Lagen um 15-25 Prozent reduziert. Reine "Shopping-Touren" sind rückläufig, Gastronomie, Kultur und kombinierte Stadterlebnisse gewinnen.
CO2-Bepreisung als zusätzlicher Druckfaktor: Das Nationale Emissionszertifikatehandelsgesetz (NEHG) liegt 2026 bei 55 €/Tonne CO2, mit Anstieg in den Folgejahren. Ab 2027 greift das EU-weite ETS-2 für Gebäude und Verkehr — energetisch schwache Innenstadtimmobilien werden zunehmend unwirtschaftlich.
Was daraus für Investoren folgt
Aus dem strukturellen Wandel entstehen drei Kategorien von Chancen für Immobilieninvestoren:
Conversions ehemaliger Handelsflächen: Große Erdgeschoss- und Obergeschoss-Flächen mit guter Lage werden zu kombinierten Wohn-, Büro- und Gastronomie-Konzepten umgenutzt. Diese sogenannten Mixed-Use-Projekte ersetzen monofunktionale Handelsobjekte.
Bürokonversionen zu Wohnen: Leerstehende Bürogebäude in B-Lagen werden zu Wohnungen umgebaut, oft mit gefördertem Wohnanteil zur Erfüllung von Wohnbauförderungskriterien.
Quartiersentwicklung: Mehrere benachbarte Objekte werden gemeinsam entwickelt, oft mit gemischten öffentlichen und privaten Funktionen — Beispiele in Linz, Graz, Innsbruck mit teilweiser Beteiligung der Stadtentwicklungs-Gesellschaften.
Allerdings sind die Marketing-Versprechen von "6 bis 10 Prozent Rendite" mit nüchterner Realität zu konfrontieren: Die tatsächlichen Nettorenditen bei Mixed-Use-Conversions liegen 2026 eher bei 4 bis 6 Prozent, abhängig von Lage, Konzept, Förderlandschaft und Umsetzungs-Risikomanagement.
Mixed-Use als dominantes Konzept
Warum monofunktional ausläuft
Reine Einzelhandelsobjekte verlieren in vielen österreichischen Innenstädten an Vermietbarkeit und Wertstabilität. Die strukturellen Gründe sind klar: Sinkende Mietzahlbereitschaft des Handels, Insolvenzen großer Ankermieter, kürzere Mietvertragslaufzeiten, höhere Leerstands-Risiken bei Mieterwechsel.
Multifunktionale Konzepte sind dagegen resilienter, weil sie Risiken über mehrere Nutzungsarten streuen. Fällt eine Komponente aus (etwa wenn Gastronomie strukturell unter Druck gerät), kompensieren die anderen. Typische Mixed-Use-Aufteilung in erfolgreichen österreichischen Projekten:
- Erdgeschoss: Gastronomie, Service-Einzelhandel, Foodmarket, Pop-up-Konzepte (15-25 Prozent der Gesamtfläche)
- Untere Obergeschosse: Büro, Co-Working, Praxen, Bildungseinrichtungen (25-40 Prozent)
- Obere Obergeschosse: Wohnungen (frei finanziert oder gefördert), Mid-Term-Apartments (30-50 Prozent)
- Dachebene: Eventflächen, Dachgärten, gemeinschaftliche Außenbereiche
Realistische Konversionskosten
Eine realistische Beispielkalkulation für ein 15.000-m²-Kaufhaus in einer österreichischen Landeshauptstadt (Linz, Graz, Salzburg):
Erwerb des Bestandsobjekts: 3.000 bis 4.500 €/m² in zentralen Lagen — also rund 45 bis 67 Mio. € bei 15.000 m². Marketing-Texte mit "1.500 €/m² Erwerbspreis" beziehen sich auf extrem abgeschriebene Notverkäufe und sind nicht repräsentativ.
Umbaukosten Komplettkonversion mit Tragwerksanpassungen, Brandschutz-Ertüchtigung, Haustechnik-Erneuerung, energetische Sanierung, Innenausbau: typisch 2.500 bis 4.500 €/m² bei Bestand mit baulicher Substanz aus den 1960er-1980er Jahren. Bei 15.000 m² ergibt das 37 bis 67 Mio. € Umbau.
Gesamtinvestition: rund 90 bis 130 Mio. €, je nach Lage und Konversionsumfang. Die Marketing-Annahme "48 Mio. € Gesamtinvestition bei 15.000 m²" entspricht etwa 3.200 €/m² Gesamtkostenkalkulation — das ist für eine echte Mixed-Use-Komplettkonversion in zentraler Lage zu knapp gerechnet.
Jährliche Mieteinnahmen bei voll vermietetem Projekt: Wohnungen 13-18 €/m² bei Mid-Range-Standard (in Wien zentral höher), Büro 14-22 €/m², Gastronomie 25-50 €/m² (von der Lage abhängig). Bei 15.000 m² Gesamtfläche realistisch 3,5 bis 5,5 Mio. € Bruttomiete pro Jahr.
Bewirtschaftungskosten Mixed-Use sind höher als bei klassischer Wohnungsvermietung: typisch 15 bis 25 Prozent der Bruttomieten für Verwaltung, Reinigung, Wartung, Marketing, Mieter-Service.
Realistische Nettorendite über die Gesamtinvestition: 3,5 bis 5,5 Prozent in normalen Marktphasen, bei guter Auslastung und etablierten Lagen. Die in Marketing-Materialien zitierten 7-9 Prozent sind nur in Ausnahmefällen mit erheblicher Förderkomponente und sehr günstigem Einkaufspreis erreichbar.
ESG, EU-Taxonomie und energetische Anforderungen
EU-Regulatorischer Rahmen 2026
Die EU-Regulierung für nachhaltige Immobilien hat sich seit 2021 konkretisiert:
EU-Taxonomie-Verordnung (Verordnung 2020/852): Seit Januar 2022 in Kraft, definiert Kriterien für ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten. Für Immobilien sind die Kriterien "Erwerb und Eigentum an Gebäuden" und "Renovierung bestehender Gebäude" relevant — mit konkreten Anforderungen an Energieeffizienz, Lebenszyklus-Emissionen und Klimaanpassung.
Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR): Seit März 2021 in Kraft, verpflichtet Finanzdienstleister zur Offenlegung der Nachhaltigkeitsmerkmale ihrer Produkte. Für institutionelle Investoren zentral.
Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD): Schrittweise Umsetzung 2024-2028, erweitert die Berichtspflichten für nachhaltige Aktivitäten. Berührt Immobilien-Investmentvehikel und größere Eigentümergesellschaften.
EU-Gebäuderichtlinie (EPBD-Revision 2024, Richtlinie 2024/1275/EU): Die ursprünglich vorgeschlagene Klassen-Sanierungspflicht für Wohngebäude wurde aus der finalen Fassung gestrichen. Stattdessen: 16 Prozent Primärenergie-Reduktion im Wohngebäudebestand bis 2030, 20-22 Prozent bis 2035. Verbot fossiler Heizungen in Neubauten ab 2030. Zero-Emission-Buildings für öffentliche Neubauten ab 2030.
Für institutionelle Investoren ist EU-Taxonomie-Konformität bei Immobilienportfolios praktisch Markteintrittsvoraussetzung — viele Pensionsfonds und Versicherungen investieren nur noch in taxonomie-konforme Assets. Für private Investoren ist die direkte Wirkung geringer, aber der Sekundärmarkt (Verkauf an institutionelle Käufer) verlangt zunehmend ESG-Konformität.
Realistischer ESG-Wertaufschlag
Empirische Studien für österreichische Immobilienmärkte zeigen folgende Aufschläge für energetisch sanierte und ESG-konforme Objekte:
- Wien zentral (Klasse A-C vs. F-G): 8 bis 15 Prozent Aufschlag bei Verkauf, in Premium-Lagen teilweise mehr
- Wien Außenbezirke: 5 bis 10 Prozent Aufschlag
- Graz, Linz, Innsbruck: 5 bis 12 Prozent
- Ländliche Lagen: 3 bis 8 Prozent
Mietaufschläge: typisch 5 bis 10 Prozent für deutlich verbesserte Energieeffizienz, je nach Lage und Mietsegment. Die in Marketing-Texten zitierten "10-15 Prozent Verkaufspreisaufschlag und 8-12 Prozent Mietaufschlag pauschal" sind übertrieben — sie gelten in Spitzenkonstellationen, nicht durchgängig.
Sanierungs-Förderlandschaft 2026
Die Sanierungsoffensive des Bundes wurde im November 2025 grundlegend neu aufgestellt:
- max. 30 Prozent der Investitionskosten als nicht rückzahlbarer Zuschuss (vorher 75 Prozent)
- Jährliches Budget 360 Mio. € bis 2030
- Seit 2. Februar 2026: NUR noch Anträge für Kesseltausch (Sanierungsbonus für thermische Sanierung — Fassadendämmung, Fenstertausch, Dachdämmung — ist für neue Anträge eingestellt)
- Stand April 2026 rund 70 Mio. € Restbudget verfügbar
Für Mixed-Use-Conversions in Innenstädten bedeutet das: Die thermische Sanierungsförderung muss über Bundesländer-Wohnbauförderung organisiert werden, nicht mehr über den Bund. Wien, Steiermark, Oberösterreich und andere Bundesländer haben eigene Programme mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Förderhöhen.
Bei Mixed-Use-Projekten mit Wohnanteil sind teilweise Wohnbauförderung-Komponenten möglich (gestaffelt nach Sozialbindung, Mietzinsobergrenzen). Eine pauschale "30 Prozent Förderung für innovative Umnutzung" ist nicht realistisch — die Förderhöhe hängt vom konkreten Konzept ab und liegt typisch zwischen 5 und 20 Prozent der Gesamtinvestition.
Top-Standorte für Innenstadt-Investments
Die geeigneten Standorte für Mixed-Use- und Conversion-Projekte unterscheiden sich erheblich:
Wien (zentrale Lagen): Hohes Preisniveau (7.000-15.000 €/m² für Bestandsobjekte), aber starke Nachfrage und etablierter Markt. Wiener Bauordnungsnovelle 2024 (Wirkung 1. Juli 2024) verbietet allerdings gewerbliche Kurzzeitvermietung in Wohnzonen — bei Mixed-Use-Konzepten mit Mid-Term- oder Serviced-Apartments-Komponente ist die genaue Bauland-Widmung sorgfältig zu prüfen. Wien wächst nach Statistik Austria Prognose auf rund 2,1 Mio. (2030) und 2,3 Mio. (2050) Einwohner — strukturelle Nachfrage stützt langfristig.
Linz: Wachsende Tech-Szene (Johannes Kepler Universität, Software Park Hagenberg in der Nähe, mehrere Tech-Unternehmen), Industriestandort im Wandel, moderate Preise (2.500-4.500 €/m² für Bestandsobjekte in der Innenstadt), teilweise gute Wohnbauförderung. Aktive Stadtentwicklungs-Initiativen bei Conversions.
Graz: Universitätsstadt mit drei großen Universitäten (Karl-Franzens, TU, MedUni) und stabilem Wohnungsbedarf. UNESCO-Weltkulturerbe in der Altstadt schafft Denkmalschutz-Komplexität bei Bestandsobjekten. Preise 2.800-5.000 €/m² je nach Lage.
Salzburg: Tourismus plus Wirtschaft, kaufkräftige Bevölkerung, internationale Nachfrage. Preise allerdings hoch (5.000-9.000 €/m² in zentralen Lagen), Flächenangebot begrenzt. Stark touristisch geprägt — bei Mixed-Use-Konzepten Vorsicht bei zu hoher Tourismus-Abhängigkeit.
Innsbruck: Universitätsstadt mit Tourismus-Komponente, begrenztes Bauland-Angebot treibt Preise. Stabiler Markt für Wohnen und studentennahe Mid-Term-Konzepte. Preise 4.000-7.000 €/m².
Klagenfurt, St. Pölten, Wels, Villach: Mittlere Landeshauptstädte mit moderaten Einstiegspreisen (1.800-3.500 €/m²), aber strukturell schwächerer Nachfrage. Für opportunistische Investments und Quartiersentwicklungen mit Förderkomponente. Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung sorgfältig prüfen.
Strukturschwache Regionen (kleinere Städte ohne Universität oder Großarbeitgeber) sollten zurückhaltend bewertet werden — anhaltende Abwanderung und sinkende Frequenz machen Innenstadt-Investments hier risikoreich.
Realistische Investmentstrategien
Strategien nach Vermögen und Risikoprofil
Vier Strategie-Kategorien funktionieren wirtschaftlich für unterschiedliche Investorenprofile:
Strategie 1 — Kaufhaus- und Großobjekt-Conversion (institutionelle Investoren, Family Offices, Projektentwickler): Erwerb mehrtausend Quadratmeter großer Bestandsobjekte, Komplettumbau zu Mixed-Use. Gesamtinvestition typisch 40-150 Mio. €. Nettorendite-Erwartung 4-6 Prozent nach voller Vermarktung (Stabilisierungsphase 3-5 Jahre). Risiko hoch durch Komplexität, lange Realisierungsdauer (typisch 4-7 Jahre von Erwerb bis Vollvermietung), regulatorische Komplexität (Bauordnung, Denkmalschutz, Brandschutz, Statik).
Strategie 2 — Aufstockung und Nachverdichtung (mittelständische Entwickler, professionelle Investoren): Bestehende Gebäude aufstocken oder Baulücken schließen. Gesamtinvestition typisch 5-25 Mio. €. Nettorendite 5-7 Prozent. Mittleres Risiko. Sinnvoll vor allem bei vorhandener Bausubstanz mit Aufstockungs-Reserven.
Strategie 3 — Mikro-Quartier-Entwicklung (lokale Investoren, KMU-Strukturen): Kleinere Mixed-Use-Einheiten mit Food-Markt, Co-Working, Wohnen, Service-Einzelhandel kombiniert. Gesamtinvestition 3-15 Mio. €. Nettorendite 5-7 Prozent. Niedrigeres Risiko durch überschaubare Komplexität. Geeignet für lokale Investoren mit operativer Branchen-Kenntnis.
Strategie 4 — Opportunistischer Bestandsankauf (Risikokapital, spezialisierte Fonds): Notleidende oder unter Marktwert angebotene Objekte erwerben, halten, später entwickeln oder mit Förderkomponente sanieren. Investitionen 1-10 Mio. €. Nettorendite-Bandbreite 6-12 Prozent bei erfolgreicher Umsetzung, allerdings mit erheblichem Verlustrisiko. Geeignet nur für erfahrene Investoren mit Branchenwissen.
Typische Stolperfallen bei Conversions
Mehrere Punkte verursachen in der Praxis regelmäßig Verzögerungen und Kostensteigerungen:
Denkmalschutz: Bei Bestandsobjekten in österreichischen Innenstädten häufig relevant. Vor Erwerb ist eine bauhistorische und denkmalschutzrechtliche Prüfung essenziell. Denkmalgeschützte Objekte haben höhere Sanierungskosten und einschränkende Umbauauflagen.
Genehmigungsdauer: Umnutzungen großer Bestandsobjekte benötigen in Österreich typisch 12 bis 36 Monate Genehmigungszeit, abhängig von Bundesland und Komplexität. Diese Zeit muss mit Zwischenfinanzierungskosten kalkuliert werden.
Baurechtliche Hürden: Bauordnungen der neun Bundesländer setzen unterschiedliche Anforderungen an Schallschutz, Brandschutz, Stellplatzpflicht, Mindestraumhöhen, Belichtung. Bei Wohnumnutzung sind oft zweite Fluchtwege, Belichtungs-Mindeststandards und Schallschutz-Maßnahmen erforderlich, die bei reinen Geschäftsflächen nicht notwendig waren.
Tragwerks-Anpassungen: Kaufhäuser haben oft große Stützenraster und Lastverteilungen, die für Wohnen oder Büro umzugestalten sind. Statische Eingriffe können erheblich teurer werden als initial kalkuliert.
Bewohner-Akzeptanz: Bei Mixed-Use-Projekten mit Wohnanteil sind die Anforderungen an Wohnruhe (kein Lärm aus Gastronomie, keine Geruchsbelästigung, ordnungsgemäße Müllabführung) zentral. Schlechte Konzepte führen zu Mieterunzufriedenheit und Fluktuation.
Mietenpaket 2026 für Wohnanteil: Wohnungen in Mixed-Use-Projekten unterliegen bei MRG-Anwendung den Mietpreisbremsen (1 Prozent 2026, 2 Prozent 2027) und Mindestbefristungen (3 Jahre Privat, 5 Jahre Unternehmer). Wer auf hohe Wohnmieten als Renditebringer kalkuliert, muss die rechtliche Strukturierung sorgfältig prüfen.
Strategische Einordnung
Was 2026 wirtschaftlich sinnvoll ist
Drei Kategorien funktionieren in der Praxis:
Mixed-Use-Conversions mittlerer Größe (5-20 Mio. € Gesamtinvestition) in stabilen Landeshauptstädten mit etabliertem Wohnungs- und Bürobedarf. Realistische Nettorendite 4-6 Prozent über die ersten 8-10 Jahre, mit aussichtsreichen Wertsteigerungs-Komponenten bei Verkauf nach Stabilisierung.
Bürokonversionen zu Wohnen in B-Lagen mit moderaten Erwerbspreisen und Bundesländer-Wohnbauförderung. Wenn die Förderkomponente substantiell ist (10-20 Prozent der Investition) und Wohnungsnachfrage gegeben, können Nettorenditen 4,5-6 Prozent erreicht werden.
Quartiersentwicklungs-Beteiligungen mit Stadt oder Stadtentwicklungs-Gesellschaft: bei öffentlich-privater Kooperation oft mit moderaten Renditen (3,5-5 Prozent) bei deutlich reduziertem Risiko.
Was nicht funktioniert
Mehrere Erwartungen halten der Realität nicht stand:
"6 bis 10 Prozent Rendite bei Innenstadt-Investments" ist pauschal nicht erreichbar; realistisch 4-6 Prozent bei guten Konstellationen.
"Wertsteigerung 30 Prozent in 3 Jahren" ist eine Marketing-These, die bestenfalls in extremen Glücksfällen mit Förderkomponenten und besonderem Konzept eintrifft.
Conversions ohne Berücksichtigung von Denkmalschutz, Bauordnung-Hürden und Tragwerks-Anpassungen scheitern regelmäßig — die typischen Kostenüberschreitungen liegen bei 20-40 Prozent über initialer Kalkulation.
Investments in strukturschwache Kleinstädte ohne Universitäts- oder Wirtschaftsbasis sind selten profitabel — die anhaltende Abwanderung und sinkende Frequenz machen auch ESG-konforme Umnutzungen riskant.
Timing-Versprechen wie "2026-2027 ist Kaufzeit, 2028-2030 ist Entwicklungszeit" sind Marketing-Aussagen ohne fundierte Begründung. Erfolgreiche Innenstadt-Investments brauchen einzelfallbezogene Analyse, nicht pauschale Marktzyklus-Theorien.
Fazit
Die Transformation österreichischer Innenstädte bietet 2026 konkrete Investmentchancen für erfahrene Investoren, Projektentwickler und institutionelle Anleger. Mixed-Use-Konzepte ersetzen monofunktionale Handelsobjekte, ESG-Konformität wird zur Marktnotwendigkeit, urbane Quartiersentwicklung schafft langfristig wertstabile Assets. Die realistischen Renditen liegen bei 4 bis 6 Prozent netto über die ersten 8-10 Jahre nach Stabilisierung — deutlich unter den oft beworbenen 6-10 Prozent, aber wirtschaftlich attraktiv im Vergleich zu klassischen Wohnungsvermietungen unter Mietenpaket 2026.
Die wichtigsten Erfolgsfaktoren: Sorgfältige Lageauswahl (Landeshauptstädte mit stabiler Bevölkerung und Wirtschaft), realistische Erwerbs- und Umbaukosten-Kalkulation (Komplettkonversionen kosten 2.500-4.500 €/m² Umbau, nicht 1.500-2.000 €/m²), saubere ESG-Strukturierung mit Berücksichtigung von EU-Taxonomie und nationaler Sanierungsförderung (max. 30 Prozent für Kesseltausch, thermische Sanierung über Bundesländer-Wohnbauförderung), saubere Mietrechts-Strukturierung mit Berücksichtigung der Mietenpaket-2026-Beschränkungen für Wohnanteile, sorgfältige Genehmigungsplanung mit realistischen Zeitansätzen (12-36 Monate für Großprojekte).
Die strategische Chance der Innenstadt-Transformation ist real, aber kein automatischer Goldesel. Die in Marketing-Materialien beworbenen pauschalen Hochrenditen sind selten erreichbar — wirtschaftlich attraktive Conversion-Projekte erfordern detaillierte Standort-Analyse, professionelle Projektsteuerung, ausreichende Kapitaldecke und Geduld über mehrere Jahre. Investoren, die diese Voraussetzungen mitbringen und ehrlich kalkulieren, finden in der Transformation der österreichischen Innenstädte interessante mittelfristige Investmentchancen mit zusätzlichem gesellschaftlichem Beitrag.
Für die individuelle Kalkulation konkreter Mixed-Use- und Conversion-Projekte mit aktuellen österreichischen Marktdaten, korrekter Berücksichtigung von Förderlandschaft 2026, Mietenpaket-Auswirkungen, EU-Taxonomie-Anforderungen und realistischer Umbau-Kosten-Annahme bietet SmartLandlord.at als spezialisierte Plattform für österreichische Immobilien-Investoren entsprechende Werkzeuge — mit Mixed-Use-Rechnern, Förder-Checks und Szenario-Modellen für Conversion-Projekte.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel basiert auf dem Stand 2026 und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Die dargestellten Renditerechnungen und Marktdaten sind Modellrechnungen und Schätzungen, die im Einzelfall erheblich abweichen können. Marktentwicklungen, Förderkonditionen und regulatorische Rahmenbedingungen können sich kurzfristig ändern. Conversion- und Mixed-Use-Projekte sind komplex und mit substantiellen Risiken verbunden, einschließlich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals durch Kostenüberschreitungen, Genehmigungsverzögerungen, Marktveränderungen oder Mietausfälle. Konkrete Investitionsentscheidungen erfordern individuelle Beratung durch unabhängige Architekten, Steuerberater, Rechtsanwälte und Projektsteuerer. Alle Angaben ohne Gewähr.





