RICS-Report: Österreichs Gewerbeimmobilien abgeschlagen

Der RICS-Bericht für das zweite Quartal 2026 zeigt: Während sich der globale Gewerbeimmobilienmarkt stabilisiert, rutscht Österreich deutlich ab.
Der aktuelle RICS Global Commercial Property Monitor bringt für Österreichs Gewerbeimmobilienmarkt keine guten Nachrichten. Während sich die globale Stimmung leicht aufhellt, zeigt der Ländervergleich für heimische Investoren und Vermieter ein Warnsignal: Österreich fällt im europäischen Vergleich deutlich zurück.
Was der RICS-Report zeigt
Der am 19. August 2026 veröffentlichte Bericht misst die Stimmung unter Immobilienprofis weltweit anhand eines Sentiment-Index. Global stieg dieser Wert im zweiten Quartal 2026 auf -1, nach -3 im Quartal davor – ein Zeichen leichter Beruhigung nach längerer Durststrecke.
Globale Erholung als Kontrast
Auf globaler Ebene halten sich die Nutzermärkte stabil, und erstmals seit längerer Zeit drehen die Erwartungen an die Werte der Immobilien wieder ins Plus. Diese Entwicklung macht den österreichischen Sonderweg umso auffälliger.
Österreich fällt deutlich zurück
Für Österreich meldet der Bericht eine gegenläufige Entwicklung: Der Stimmungsindex fiel von -9 auf -24. Die Kapitalwerterwartungen liegen bei -39 – ein Hinweis darauf, dass Marktteilnehmer in den kommenden Monaten mit weiter sinkenden Immobilienwerten rechnen.
Besonders bemerkenswert ist zudem, dass Österreich laut der Auswertung die stärkste Verschlechterung der Kreditbedingungen unter allen untersuchten Märkten verzeichnet. Im europäischen Vergleich liegt das Land nur noch vor Frankreich und deutlich hinter Deutschland.
Bedeutung für private Vermieter und Investoren
Die RICS-Zahlen betreffen in erster Linie den Gewerbeimmobiliensektor, doch die Signale sind auch für private Vermieter und Immobilien-Investoren relevant, etwa bei Finanzierungsentscheidungen oder Verkaufsplänen.
Auswirkungen auf Finanzierung und Verkauf
Schwache Kapitalwerterwartungen deuten auf Druck bei Verkaufspreisen hin. Wer aktuell eine Immobilie veräußern will oder eine Nachbeleihung plant, sollte mit vorsichtigeren Bewertungen rechnen als noch vor einem Jahr.
Auch die gemeldete Verschlechterung der Kreditbedingungen ist ein Warnsignal: Banken könnten bei der Immobilienfinanzierung in Österreich zurückhaltender agieren als in anderen europäischen Märkten.
- Verkaufspläne realistisch kalkulieren, da die Werterwartungen deutlich negativ sind
- Bei Refinanzierungen frühzeitig mit der Bank sprechen, da sich Kreditbedingungen laut Bericht verschärft haben
- Marktstimmung und Mietrecht getrennt betrachten – die RICS-Daten sagen nichts über gesetzliche Mietobergrenzen aus
Kein direkter Bezug zum Mietrecht
Wichtig ist die Trennung zwischen Marktstimmung und rechtlichem Rahmen: Die RICS-Daten spiegeln Werteinschätzungen und Finanzierungsbedingungen wider, nicht die mietrechtlichen Spielregeln. Diese bleiben unabhängig von der Marktstimmung bestehen.
Seit 1. Jänner 2026 gilt etwa für Wohnungsmietverträge im Voll- und Teilanwendungsbereich des MRG grundsätzlich eine Mindestbefristung von fünf Jahren. Für private Kleinvermieter bleibt es weiterhin bei drei Jahren – entscheidend ist, ob eine Unternehmereigenschaft im Sinn des Konsumentenschutzgesetzes vorliegt.
Zudem dürfen Wohnraummieten nur einmal jährlich erhöht werden, frühestens zum 1. April. Liegt die Inflation über 3 Prozent, darf nur die Hälfte des darüberliegenden Teils weitergegeben werden.
Was heißt das für Vermieter?
Der RICS-Bericht liefert privaten Vermietern und Investoren in Österreich einen klaren Hinweis: Die Marktstimmung bleibt angespannt, und die Werte der Immobilien stehen laut den Erwartungen weiter unter Druck. Wer aktuell kauft, verkauft oder finanziert, sollte diese Signale in seine Kalkulation einbeziehen und nicht auf eine rasche Erholung nach globalem Muster setzen.
Gleichzeitig gilt: Die mietrechtlichen Rahmenbedingungen – etwa die neuen Befristungsregeln oder die Grenzen bei Mieterhöhungen – bleiben von der Marktstimmung unberührt und sollten bei jeder Vertragsgestaltung separat geprüft werden. Wer beide Ebenen sauber trennt, trifft solidere Entscheidungen in einem Marktumfeld, das laut RICS-Daten in Österreich schwieriger bleibt als anderswo in Europa.
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