KI-Software Flatwise: Selbstverwaltung für Vermieter startet

Das Linzer Start-up Flatwise ist Ende August mit einer KI-gestützten Software gestartet, die privaten Vermietern die klassische Hausverwaltung ersetzen soll.
Das Linzer Start-up Flatwise ist Ende August offiziell an den Start gegangen. Die Software soll Vermietern helfen, Mietverträge, Betriebskostenabrechnungen und Mieteingänge weitgehend automatisiert zu verwalten – mit dem Ziel, dass sich Immobilien zunehmend selbst verwalten und externe Hausverwaltungen überflüssig werden.
Zielgruppe sind private und kleine gewerbliche Vermieter mit einer bis 100 Einheiten. In der vorausgegangenen Beta-Phase wurde die Software laut Angaben des Start-ups bereits von Nutzern mit mehr als 3.000 verwalteten Einheiten getestet, deren Feedback laufend in die Entwicklung eingeflossen sei.
Mitgründer Johannes Reichl begründet den Zeitpunkt mit dem bevorstehenden Generationenwechsel in der Immobilienwelt: Babyboomer würden ihr Vermögen zunehmend an Erben weitergeben, die oft nicht wissen, welche Pflichten mit einer vermieteten Wohnung verbunden sind – von Mietverträgen über Fristen bis zur Betriebskostenabrechnung.
Auf österreichisches Mietrecht trainiert
Flatwise grenzt sich nach eigenen Angaben von herkömmlicher Verwaltungssoftware durch zwei Merkmale ab: Die Plattform ist auf das österreichische Mietrecht trainiert und bezeichnet sich als „KI-nativ“, also von Grund auf so gebaut, dass künstliche Intelligenz direkt auf gespeicherte Immobiliendaten zugreifen kann.
Aktuell unterstützt die KI vor allem bei der Auswertung: Sie liest Informationen aus Dokumenten aus, hilft bei der Anlage von Gebäuden und beantwortet Fragen zum Portfolio, etwa zur Leerstandsquote oder zu Optimierungspotenzial einzelner Wohnungen.
Bei der Kommunikation mit Mietern ist die Automatisierung noch begrenzt: Schadensmeldungen wie ein Rohrbruch laufen zwar über die App, doch die Kontaktaufnahme mit Handwerkern und die Terminvereinbarung übernimmt derzeit noch der Vermieter selbst. Genau hier soll die nächste Entwicklungsstufe ansetzen – die KI soll Mieteranliegen künftig selbst priorisieren, einfache Fälle beantworten und nur bei komplexeren Anliegen den Vermieter einschalten.
Auch bei der Betriebskostenabrechnung bleibt der Mensch verantwortlich: Wird etwa ein Beleg falsch zugeordnet und dadurch falsch verrechnet, liegt die Letztverantwortung beim Vermieter. Auch der KI-Chat ersetzt keine Rechtsberatung. Bis Jahresende will Flatwise das Produkt laut eigenen Angaben weiter optimieren.
Was heißt das für Vermieter?
Wer eine ererbte oder neu erworbene Wohnung selbst verwaltet, kann sich künftig durch Software wie Flatwise einen Teil der Kosten für eine externe Hausverwaltung sparen. Für rechtlich heikle Schritte wie Betriebskostenabrechnungen oder Mietvertragsgestaltung bleibt aber weiterhin Sorgfalt und im Zweifel fachliche Beratung nötig, da die Letztverantwortung beim Eigentümer liegt.
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