Signa-Ermittlungen: WKStA prüft 18 Sachverhalte gegen Benko

Die WKStA ermittelt laut APA inzwischen in mindestens 18 getrennten Verfahrenskomplexen gegen René Benko und weitere Signa-Verantwortliche.
Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) untersucht mittlerweile mindestens 18 voneinander getrennte Sachverhaltskomplexe rund um den insolventen Signa-Gründer René Benko. Das berichtet die Austria Presse Agentur (APA). Die Vorwürfe reichen von Betrug über Untreue bis zu betrügerischer Krida. Benko sitzt seit 24. Jänner 2025 in Untersuchungshaft und bestreitet sämtliche Anschuldigungen.
Jüngster Ermittlungsstrang: Benko soll einen Tag vor der Pleite der Signa Holding im November 2023 nachträglich die Unterschriften der Mitgesellschafter Torsten Toeller, Ernst Tanner und Hans Peter Haselsteiner auf einen Gesellschafterbeschluss zu seinem eigenen Dienstvertrag eingefügt haben. Die Soko Signa hat deshalb Ende August Ermittlungen wegen Urkundenfälschung aufgenommen. Benkos Anwalt Norbert Wess spricht von einer rein buchhalterischen Nachbearbeitung.
Zentrum: Benkos Privatinsolvenz
Im Kern der Ermittlungen steht Benkos persönliche Insolvenz. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Vermögenswerte im zweistelligen Millionenbereich verschwiegen zu haben – darunter Bargeld, Luxusgüter, Fahrzeuge und Wertgegenstände. Das Landesgericht Innsbruck verurteilte ihn im Oktober 2025 wegen betrügerischer Krida teils rechtskräftig, im Dezember folgten 15 Monate bedingte Haft in einem zweiten, noch nicht rechtskräftigen Verfahren.
Bereits bei Gericht liegt die Anklage im Fall Haselsteiner: Der Investor soll rund fünf Millionen Euro an den Sanierungsbeauftragten der Signa Holding überwiesen haben, nachdem Benko ihm eine persönliche Rückerstattung vorgetäuscht hatte.
Weitere Komplexe: Lech, Belvedere, München
Das Chalet N in Lech am Arlberg ist gleich zweifach Gegenstand der Ermittlungen: Zum einen wegen mutmaßlicher Untreue durch Vermietung unter Selbstkosten mit einem Schaden von über 1,5 Millionen Euro, zum anderen wegen COVID-Förderungen (COFAG), deren widmungsgemäße Verwendung fraglich ist.
Beim Wiener Wohnprojekt „Wohnen am Belvedere“ soll ein Signa-Mitarbeiter Käufern überhöhte Pauschalen verrechnet haben, der Schaden liegt über der strafrechtlich relevanten Grenze von 300.000 Euro. Bei einem Immobilienprojekt am Münchner Bahnhofsplatz sollen Benko und ein weiterer Beschuldigter einen saudi-arabischen Staatsfonds zum Kauf von Anleihen bewogen haben, deren Erlös teils zweckwidrig verwendet worden sein soll.
Weitere Verdachtsfälle betreffen ein Darlehen über rund 17 Millionen Euro zu nicht marktüblichen Konditionen, eine Darlehensrückzahlung von rund 15 Millionen Euro an die Ingbe-Stiftung trotz bereits bestehender Insolvenz, ein mutmaßliches „Geldkarussell“ bei einer Kapitalerhöhung sowie den Verkauf der Villa Eden Gardone am Gardasee ohne Gegenwert.
Auch gegen Benkos Ehefrau Nathalie wird wegen versuchten schweren Betrugs ermittelt – sie soll versucht haben, eine Rückzahlung von zwei Millionen Euro in die Insolvenzmasse durch falsche Angaben abzuwehren. Zudem läuft ein Verfahren gegen Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer als früheren Aufsichtsratsvorsitzenden zweier Signa-Gesellschaften wegen mutmaßlicher Schädigung um zehn Millionen Euro.
Was heißt das für Vermieter?
Die wachsende Zahl an Verfahren zeigt, wie tief die Vertrauenskrise rund um die Signa-Gruppe reicht – das betrifft indirekt auch das Marktvertrauen in große Immobilienprojekte in Österreich. Für private Vermieter und Investoren bleibt vor allem die Botschaft wichtig, bei Beteiligungen und Projektfinanzierungen auf transparente Eigentümerstrukturen und geprüfte Bonität zu achten. Konkrete Auswirkungen auf Mietverhältnisse oder Immobilienpreise sind aus den Ermittlungen bislang nicht abzuleiten.
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