LKA-Akte: Benko kassierte trotz Rückzugs 64 Millionen

Wolfgang Staufer2 min read12.09.2026, 00:00gestern
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LKA-Akte: Benko kassierte trotz Rückzugs 64 Millionen

Ein Aktenvermerk des Bayerischen Landeskriminalamts zeigt, dass René Benko trotz seines formalen Rückzugs aus der Signa-Geschäftsführung 2013 weiterhin Millionengehälter bezog.

Das Bayerische Landeskriminalamt hat in einem 106-seitigen Aktenvermerk vom 20. August 2026 dokumentiert, dass René Benko zwischen 2017 und 2021 Prämien von insgesamt 64,18 Millionen Euro brutto von der Signa Holding (SiHo) bezog – obwohl sein Rückzugs aus der Geschäftsführung bereits 2013 offiziell erfolgt war. Das geht aus Recherchen des KURIER hervor, dem das Dokument der Münchner Ermittler vorliegt.

René Benko wechselte 2013 nach einer Verurteilung an die Spitze des Beirats der SiHo. Laut Aktenvermerk wurde sein ursprünglicher Geschäftsführer-Dienstvertrag aus dem Jahr 2009 dabei nicht an die neue Rolle angepasst, sondern im November 2021 sogar noch verbessert – unterschrieben von SiHo-Geschäftsführer Marcus Mühlberger.

Der neue Vertrag als Beiratsvorsitzender sah ein Bruttogehalt von 846.731,20 Euro jährlich vor, dazu Sicherheitspersonal, eine Dienstwohnung am Wiener Fleischmarkt sowie die Miete der Villa N in Igls. Die zentrale Prämienregelung – 2,5 Prozent des Ergebnisses vor Steuern der Signa Holding – blieb unverändert bestehen. Nach Angaben der Ermittler entschied Benko zudem selbst über die Höhe von Akontozahlungen auf diese Prämien.

Verdacht auf In-sich-Geschäft

Besonders auffällig: Der erste Geschäftsführervertrag von Dezember 2009 trägt laut LKA auf Dienstnehmer- und Dienstgeberseite offenbar dieselbe Unterschrift. Die Ermittler vermuten, René Benko habe den Vertrag als Vertreter der SiHo mit sich selbst als Dienstnehmer abgeschlossen. Dieser Vertrag sicherte ihm bereits ein Jahresgehalt von 784.000 Euro brutto sowie Privilegien wie Privatjet-Reisen, zehn Wochen Urlaub, zwei Dienstwagen mit Chauffeur und eine Weiterzahlungsklausel für seine Kinder im Todesfall zu.

Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt seit 2023 wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs gegen Benko und weitere Signa-Verantwortliche. Zusätzlich flossen laut Aktenvermerk 2023 Konsulentenhonorare von fünf Signa-Gesellschaften in Höhe von 1,45 Millionen Euro an Benko. Andere Beiratsmitglieder erhielten dagegen nur Pauschalen zwischen 15.000 und 280.000 Euro jährlich – ein Dienstverhältnis war für sie laut den Ermittlern explizit ausgeschlossen.

Benkos Verteidiger Norbert Wess weist die Vorwürfe gegenüber dem KURIER zurück: Eine faktische Machthaberschaft sei strafrechtlich irrelevant, alle Vertragskonditionen seien mit den zuständigen Organen abgestimmt und genehmigt gewesen.

Was heißt das für Vermieter?

Der Fall zeigt, wie stark das Vertrauen in große Immobilienkonzerne durch Governance-Skandale erschüttert werden kann – mit Folgewirkungen auf Finanzierungskonditionen und Investitionsklima am gesamten österreichischen Immobilienmarkt. Private Vermieter und Kaufinteressenten sollten bei Gegenparteien und Fondsstrukturen verstärkt auf Transparenz bei Geschäftsführung und Vergütung achten. Die Aufarbeitung der Signa-Pleite dürfte auch die Diskussion um strengere Kontrollmechanismen bei großen Immobilienholdings in Österreich weiter befeuern.