Erdwärme erobert Wiener Altbauten – auch ohne Eigengrund

Redaktion3 min read19.09.2026, 00:00vorgestern
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Erdwärme erobert Wiener Altbauten – auch ohne Eigengrund

Erdwärme Wien setzt sich zunehmend auch in Gründerzeithäusern durch, seit Sonden seit 2023 auch auf öffentlichem Grund gebohrt werden dürfen.

Erdwärme Wien wird zunehmend auch für Altbauten genutzt, nicht nur für Neubauprojekte. Laut Österreichischer Energieagentur reichen bei einem Gründerzeithaus in der Regel drei bis fünf Erdsonden aus, um das gesamte Gebäude sowohl zu heizen als auch zu kühlen – vorausgesetzt, das Haus wurde zuvor thermisch saniert.

Die Sonden werden bis zu 200, in Ausnahmefällen bis zu 400 Meter tief ins Erdreich gebohrt. Durch sie zirkuliert Wasser, das sich auf rund zehn Grad erwärmt und über eine Wärmepumpe auf 50 bis 60 Grad angehoben wird. Nach Angaben von Anita Angerer, Leiterin der Geothermieabteilung der Porr, lassen sich aus einer Kilowattstunde Strom rund fünf Kilowattstunden Heizenergie gewinnen. Für die passive Kühlung im Sommer wird die Wärmepumpe gar nicht benötigt, da die Wärme aus den Räumen automatisch ins kühlere Erdreich abfließt.

Ein zentrales Hindernis für die Nachrüstung von Erdwärme in Wiener Altbauten war bisher der fehlende Platz für Bohrgeräte in engen Innenhöfen. Seit 2023 können in Wien Erdsonden auch entlang der eigenen Fassade auf öffentlichem Gut gesetzt werden, solange ein Abstand von 2,50 Metern zu Nachbargrundstücken eingehalten wird. Damit ist eigener Grund für ein Erdwärmeprojekt nicht mehr zwingend erforderlich – für Wiener Häuser ohne ausreichenden Eigengrund im Innenhof öffnet das neue Möglichkeiten.

Sanierung senkt Aufwand und Kosten

Franziska Zimmer von der Österreichischen Energieagentur empfiehlt vor dem Umstieg auf Erdwärme eine thermische Sanierung des Bestandsgebäudes. Sinkt der Heizwärme- und Kühlbedarf, werden weniger Sonden benötigt – das senkt sowohl den Bohraufwand als auch die Kosten. Für die Verlegung der Erdwärmeleitungen im Haus lässt sich oft der Schacht ehemaliger Gasleitungen nutzen, der zuvor entfernt werden muss.

Wer mit der neuen Anlage nur heizen will, kann bestehende Heizkörper beibehalten. Für die aktive Kühlung sind sie allerdings ungeeignet: Sinkt die Wassertemperatur im Sommer zu weit, beginnen alte Heizkörper zu schwitzen, während der Kühleffekt gering bleibt. In diesem Fall ist der Umstieg auf eine Flächenheizung notwendig.

Ob Erdwärme an einer bestimmten Adresse infrage kommt, hängt von der Geologie des jeweiligen Grundstücks ab. Zwischen einzelnen Sonden muss laut Angerer ein Mindestabstand von fünf Metern eingehalten werden, was in dicht verbauten Innenhöfen weiterhin eine planerische Hürde darstellt.

Was heißt das für Vermieter?

Für Eigentümer von Gründerzeithäusern in Wien rückt Erdwärme als Heizsystem für die nächste Sanierung näher, insbesondere seit Bohrungen auch auf öffentlichem Gut möglich sind. Wer die Betriebskosten langfristig senken und das Haus dekarbonisieren will, sollte eine thermische Sanierung und den Umstieg auf Erdwärme gemeinsam planen, da beides den Bohraufwand reduziert. Vor konkreten Schritten lohnt sich eine geologische Abklärung, ob die Sondentiefe und die nötigen Abstände am eigenen Grundstück überhaupt umsetzbar sind.