VÖPE-Herbstkonferenz: 67 Monate bis zur Baubewilligung

Bei der VÖPE-Herbstkonferenz in Wien präsentierten Branchenvertreter Zahlen zu Verfahrensdauern und vier Vorschläge zur Beschleunigung von Genehmigungen.
Die VÖPE (Vereinigung Österreichischer Projektentwickler) hat bei ihrer Herbstkonferenz am 16. September in Wien konkrete Zahlen zur Dauer von Bauverfahren vorgelegt und gemeinsam mit dem Verband gemeinnütziger Bauvereinigungen (GBV) vier budgetneutrale Vorschläge zur Beschleunigung präsentiert. Grundlage ist eine VÖPE-Mitgliederbefragung über mehrere hundert Projekte, die Geschäftsführer Alexander Pawkowicz bereits im Juni gemeinsam mit dem GBV vorgestellt hatte.
Demnach dauert ein Widmungsverfahren in Österreich im Schnitt 35 Monate, ein Baubewilligungsverfahren im Wohnbau 21 Monate. Von der Widmung bis zur rechtskräftigen Bewilligung vergehen im Schnitt 67 Monate, gesetzlich vorgesehen wären für Widmungsverfahren vielfach rund acht Monate.
„Jede Verzögerung und jede Überregulierung verteuert Projekte. Das trifft am Ende auch jene, die dringend Wohnraum suchen“, sagte Pawkowicz laut Konferenzunterlagen. VÖPE und GBV schlagen deshalb vier Maßnahmen vor: eine Brandschutz-Vorprüfung durch unabhängige Sachverständige vor der Einreichung, eine Genehmigungsfiktion bei Fristüberschreitung, den Nachweis eines berechtigten Interesses bei Einsprüchen ohne Nachbarschaftsbezug sowie den „gläsernen Akt“ mit digitaler Einsicht in den Bearbeitungsstand.
GBV-Obmann Michael Gehbauer kündigte an, bei diesem Thema künftig enger mit der VÖPE zusammenzuarbeiten, obwohl beide Verbände unterschiedliche Schwerpunkte hätten, der GBV stärker im geförderten, die VÖPE im gewerblichen Wohnbau. Beide Seiten seien seit rund zwei Jahren über die „Allianz Wohnraum Österreich“ verbunden.
Zum Auftakt der Konferenz im The Venue in der Wiener Siemensstraße sprach UniCredit-Bank-Austria-Chefvolkswirt Stefan Bruckbauer über die konjunkturellen Rahmenbedingungen für den Wohnbau. Anschließend diskutierten VÖPE-Präsidiumsmitglied Nadja Köfer-Holzer und FMA-Vertreter Roland Salomon über Kapitalmarkt und Regulierung. Thema war dabei auch die im Juni 2025 ausgelaufene KIM-Verordnung, deren Richtwerte über ein FMA-Rundschreiben weiterhin als Orientierung dienen, eine Konstruktion, die die VÖPE bereits zuvor kritisiert hatte.
Ein weiterer Themenblock widmete sich seriellem und ressourcenschonendem Bauen. VÖPE-Präsidiumsmitglied Sabine Müller sprach über Bodenversiegelung, Theresa Fink vom AIT Austrian Institute of Technology über faktenbasierte Stadtplanung für resiliente Quartiere. VÖPE-Vizepräsident Peter Ulm zeigte am Beispiel des Wiener Zinshauses, wie Sanierungen im Bestand einfacher werden könnten, und kündigte an, sich in die geplante Novelle der Bauordnung einzubringen.
Nach VÖPE-Angaben zählt der Verband 90 Mitgliedsunternehmen mit insgesamt 17.000 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von 32 Milliarden Euro. Rund 150 Gäste, überwiegend Geschäftsführer und Vorstände der Branche, nahmen an der Konferenz teil.
Was heißt das für Vermieter?
Lange Genehmigungsverfahren treiben die Baukosten und damit langfristig auch die Mieten neuer Objekte nach oben. Sollten die vorgeschlagenen Maßnahmen, etwa die Genehmigungsfiktion oder der „gläserne Akt“, tatsächlich in eine Novelle der Bauordnung einfließen, könnten Sanierungs- und Neubauprojekte künftig schneller realisierbar werden. Für Eigentümer von Zinshäusern ist besonders relevant, dass Sanierungen im Bestand explizit als Praxisbeispiel für Verfahrensvereinfachung diskutiert wurden.
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