ÖRAG: Immobilienmarkt in Österreich zeigt sich resilient

ÖRAG-Vorstand Stefan Brezovich sieht den österreichischen Immobilienmarkt trotz internationaler Krisen stabil, eine spürbare Erholung erwartet er aber erst 2027.
Der österreichische Immobilienmarkt hält den anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten stand. Das sagt Stefan Brezovich, Vorstand des Maklerunternehmens ÖRAG, mit Blick auf Kriege wie in der Ukraine oder im Iran und die damit verbundenen Energiepreis-Schwankungen. „Die Marktteilnehmer haben gelernt, mit den Unsicherheiten umzugehen“, so Brezovich.
Eine spürbare Trendwende nach oben erwartet die ÖRAG dennoch nicht vor 2027. Auch international bleibt die Stimmung verhalten: Helge Scheunemann, Head of Research Germany bei JLL, spricht trotz positiver Konjunktursignale von Zurückhaltung in der europäischen Immobilienwirtschaft.
Österreich erstmals im Transparenz-Ranking
Im Global Real Estate Transparency Index von JLL wurde Österreich heuer erstmals gelistet und belegt Platz 26 von 88 untersuchten Ländern. Scheunemann sieht hier Aufholbedarf, gerade institutionelle Investoren brauchen verlässliche Marktdaten für ihre Entscheidungen.
Mehr Anfragen, aber weniger Käufer
ÖRAG-Vorstand Michael Buchmeier berichtet von steigenden Anfragen von Kaufinteressenten, gleichzeitig sei das tatsächliche Käuferpotenzial geringer geworden. Grund ist die Finanzierung, die weiterhin den Engpass beim Wohnungskauf darstellt. Wegen der steigenden Inflation rechnen die Experten mit weiteren Zinsschritten.
„Der Markt ist gesünder, als er wirkt“, sagt Buchmeier, „aber die Kreditanforderungen sind höher geworden.“ Viele Banken bauen derzeit notleidende Kredite ab. Lukas Sattlegger, Geschäftsführer des Wiener Bauträgers Glorit, beobachtet dagegen, dass Institute nach zwei zurückhaltenden Jahren wieder verstärkt Neufinanzierungen abschließen. Käufer seien sich bewusst, dass Neubau kaum günstiger wird, zumal aktuell zu wenig gebaut werde.
Mikrolage entscheidet, Dachgeschoß verliert an Wert
Jelena Pirker, Leiterin Wohnimmobilien/Eigentum bei der ÖRAG, beobachtet gestiegene Ansprüche von Wohnungskäufern und dadurch deutlich längere Entscheidungsprozesse. Wichtigstes Kaufkriterium ist die Mikrolage, konkret die Entfernung zur nächsten U-Bahn-Station. Im Luxussegment sind Wohnungen im Speckgürtel gefragt.
Auffällig: Während die Preise im Regelgeschoß gestiegen sind, sind Kaufpreise für Dachgeschoßwohnungen gesunken, so Karin Bosch, Leitung Wohnimmobilien & Exklusives Wohnen bei der ÖRAG. Auch hochwertige Einfamilienhäuser und Villen haben teils leicht an Preis verloren. In Wien konzentriert sich die Nachfrage laut Bosch vor allem auf den 18. und 19. Bezirk, zunehmend auch auf Hietzing. Verkäufer würden häufig zu hohe Preisvorstellungen haben, bei Sanierungsbedarf fordern Käufer einen Preisabschlag für den zeitlichen Aufwand ein.
Gefragt bleiben Objekte mit hoher Lebensqualität: Privatsphäre, gute Infrastruktur, besondere Architektur. „Die Immobilien, die gut und energieeffizient sind, werden gekauft“, bestätigt Sattlegger. „Rare Lagen mit guter Anbindung werden immer an Wert steigen.“
Was heißt das für Vermieter?
Für Eigentümer und Investoren bedeutet die Einschätzung der ÖRAG: Der Markt stabilisiert sich, aber ohne kurzfristigen Preisschub, eine nachhaltige Erholung liegt frühestens 2027. Wer verkaufen will, sollte Preisvorstellungen realistisch an Lage und Zustand ausrichten, vor allem bei Sanierungsbedarf und im Dachgeschoß. Bei Neuvermietung oder Kauf bleibt die Nähe zu öffentlichem Verkehr der zentrale Werttreiber, energieeffiziente Objekte in guter Mikrolage behalten ihre Attraktivität am ehesten.
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