Marktanalyse

Haus kaufen in Österreich: Diese Bezirke sind noch leistbar

Wolfgang Staufer3 min read08.07.2026, 00:00letzte Woche
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Haus kaufen in Österreich: Diese Bezirke sind noch leistbar

Wo können sich Durchschnittsverdienende noch ein Haus leisten? Eine Analyse zeigt, welche Bezirke in Österreich reale Chancen bieten.

In vielen Teilen Österreichs ist der Traum vom Haus kaufen für Durchschnittsverdienende kaum noch realisierbar. Explodierende Kaufpreise, gestiegene Zinsen und strenge Kreditvergaberegeln haben den Immobilienmarkt in den vergangenen Jahren massiv verändert. Doch es gibt noch Bezirke, in denen Wohneigentum erschwinglich bleibt – wenn man weiß, wo man suchen muss.

Haus kaufen: In welchen Bezirken ist es noch möglich?

Die Antwort hängt stark davon ab, was als „leistbar" gilt. Als Richtwert gilt in der Branche: Der Kaufpreis sollte das Sechsfache des jährlichen Haushaltsbruttoinkommens nicht überschreiten. Bei einem österreichischen Medianhaushaltseinkommen von rund 50.000 Euro brutto pro Jahr wären das etwa 300.000 Euro – eine Summe, die in Wien oder Salzburg kaum mehr als eine kleine Eigentumswohnung ermöglicht.

Anders sieht es in strukturschwächeren Regionen aus. Dort finden sich Einfamilienhäuser noch deutlich unterhalb dieser Schwelle – und damit echte Chancen für Kaufinteressenten.

Regionen mit vergleichsweise niedrigen Immobilienpreisen

Besonders günstige Kaufpreise finden sich laut aktuellen Marktdaten in folgenden Regionen:

  • Bezirke im Burgenland (z. B. Güssing, Oberwart): Häuser ab 150.000 Euro, teils darunter
  • Ländliche Steiermark (z. B. Murau, Hartberg-Fürstenfeld): Solide Objekte zwischen 180.000 und 250.000 Euro
  • Niederösterreich abseits der Speckgürtel (z. B. Waidhofen an der Thaya, Gmünd): Familientaugliche Häuser unter 200.000 Euro
  • Kärnten außerhalb der Seenregion (z. B. Wolfsberg, Völkermarkt): Preise oft zwischen 200.000 und 280.000 Euro
  • Oberösterreich im Mühlviertel (z. B. Rohrbach, Freistadt): Gutes Preis-Lage-Verhältnis für Pendler

Diese Bezirke sind nicht zufällig günstig: Sie liegen meist abseits großer Ballungszentren, haben schwächere Infrastruktur und teils schrumpfende Bevölkerungszahlen. Für Käufer mit Homeoffice-Option oder flexiblem Arbeitsplatz können sie jedoch attraktiv sein.

Warum der Immobilienmarkt so ungleich verteilt ist

Die Immobilienpreise in Österreich folgen einem klaren Muster: Je näher an Wien, Salzburg, Innsbruck oder Graz, desto teurer. Der Großraum Wien hat sich seit 2015 mehr als verdoppelt. Selbst im Wiener Umland – etwa in Korneuburg, Mödling oder Baden – übersteigen Kaufpreise für Einfamilienhäuser mittlerweile regelmäßig die 600.000-Euro-Marke.

Hinzu kommt, dass die KIM-Verordnung (Kreditinstitute-Immobilienfinanzierung-Maßnahmen-Verordnung) seit 2022 strengere Anforderungen an die Kreditvergabe stellt. Mindestens 20 Prozent Eigenkapital und eine maximale Kreditlaufzeit von 35 Jahren sind Pflicht. Das schließt viele junge Haushalte faktisch vom Markt aus.

Was Käufer jetzt beachten sollten

Wer trotzdem den Schritt zum Wohneigentum wagen will, sollte strategisch vorgehen:

  • Pendeldistanz prüfen: Viele günstige Bezirke liegen 60–90 Minuten vom nächsten Ballungszentrum entfernt – das ist mit Homeoffice kombinierbar, aber nicht für jeden alltagstauglich.
  • Sanierungsbedarf einkalkulieren: Günstige Objekte sind oft älter und energetisch ineffizient. Sanierungskosten können den Kaufpreisvorteil schnell aufzehren.
  • Fördermöglichkeiten nutzen: Bundesländer wie Burgenland, Steiermark und Kärnten bieten Eigenheimförderungen, die die Finanzierungslücke schließen können.
  • Regionale Preistrends beobachten: Einige günstige Bezirke verzeichnen steigende Nachfrage – wer früh kauft, profitiert möglicherweise von Wertsteigerungen.

Chancen für Investoren in Schwellenregionen

Nicht nur Eigennutzer, sondern auch Immobilieninvestoren rücken günstige Bezirke zunehmend in den Fokus. Die Mietrenditen sind in peripheren Lagen oft deutlich höher als in den Städten, da die Kaufpreise niedrig sind, die Mietnachfrage durch lokale Bevölkerung aber stabil bleibt.

Gleichzeitig steigt das Risiko: Leerstand, sinkende Bevölkerungszahlen und mangelnde Wertsteigerung sind reale Gefahren in strukturschwachen Regionen. Eine gründliche Standortanalyse ist daher unerlässlich, bevor man in abgelegenen Bezirken investiert.

Fazit: Leistbarkeit ist eine Frage der Flexibilität

Das Haus kaufen in Österreich ist für Durchschnittsverdienende nicht unmöglich – aber es erfordert Kompromisse beim Standort. Wer bereit ist, auf städtische Infrastruktur teilweise zu verzichten und mobil zu arbeiten, findet in Regionen wie dem Burgenland, der ländlichen Steiermark oder dem Mühlviertel noch reale Chancen auf Wohneigentum.

Die Leistbarkeitsschere zwischen Stadt und Land bleibt ein zentrales Thema des österreichischen Immobilienmarkts – und dürfte es auch in den kommenden Jahren bleiben. Für Käufer und Investoren gilt gleichermaßen: Jetzt informieren, Regionen vergleichen und gezielt handeln.