Wohnbau: Neubau allein löst Wohnungsmangel in Österreich nicht

Branchenstimmen betonen, dass mehr Neubau den Wohnungsmangel nicht behebt: Finanzierung, Widmung, Verfahren und Mietwohnungen ohne Kaufoption entscheiden mit.
Mehr Neubau allein löst das österreichische Wohnungsproblem nicht. Das ist die Kernaussage von Branchenstimmen, über die der Report Verlag berichtet. Entscheidend seien zusätzlich leistbare Finanzierung, geeignete Widmung, schnellere Verfahren und ein ausreichendes Angebot an Mietwohnungen ohne Kaufoption.
Fertigstellungen bleiben unter dem Bedarf
Laut Immobilienwirtschaft fehlen in Österreich jährlich rund 25.000 Wohnungen. Für 2026 erwarten Prognosen je nach Quelle 27.000 bis 30.900 fertiggestellte Wohneinheiten. Das liegt unter dem Bedarf. 2022 waren noch rund 46.500 Wohnungen fertig geworden.
Der Trend zeigt zudem weiter nach unten: Für 2026 wird mit einem Rückgang der Wohnbaugenehmigungen um etwa 5 Prozent und der Baubeginne um etwa 12 Prozent gerechnet.
Förderung setzt auf Mietwohnungen und Sanierung
Für 2024 bis 2026 stellt der Bund den Ländern insgesamt 1 Mrd. Euro für leistbaren Wohnraum bereit. Davon gehen 780 Mio. Euro in den mehrgeschoßigen Neubau und 220 Mio. Euro in die ökologische Sanierung geförderter Mietwohnungen. Die Hälfte der 780 Mio. Euro ist für Mietwohnungen ohne Kaufoption reserviert.
Zusätzlich können die Länder über die OeBFA bis zu 500 Mio. Euro für Wohnbaudarlehen aufnehmen, zu einem Zinssatz von 1,5 Prozent. Für bestimmte ökologisch errichtete Wohnneubauten, die 2024 bis 2026 fertig werden, gilt außerdem eine beschleunigte steuerliche Abschreibung.
Gemeinnütziger und gewerblicher Wohnbau sollen laut den Stimmen gemeinsam gestärkt werden. Keiner der beiden Bereiche könne die Lücke allein schließen. Die Mittel fließen überwiegend über die Länder, ein einheitlicher österreichweiter Förderanspruch besteht nicht. Konditionen wie Mietzins, Einkommensgrenzen oder Belegungsrechte regeln die Landeswohnbaugesetze. In Wien kann etwa für bestimmte geförderte Mietwohnungen ein zusätzliches Landesdarlehen von 150 Euro je Quadratmeter Nutzfläche gewährt werden, rückzahlbar mit grundsätzlich 0,70 Euro je Nutzwerteinheit und Monat.
Was heißt das für Vermieter?
Für private Vermieter ist der Neubau wirtschaftlich weiter schwierig, die sinkenden Genehmigungen und Baubeginne deuten auf hohe Bau- und Finanzierungskosten hin. Die Bundesmittel richten sich vor allem an Länder, gemeinnützige Träger und definierte Wohnbauprogramme. Wer ein Projekt plant, sollte vor Grundstückskauf oder Baubeginn Widmung, Förderbedingungen, Mietzinsbindung und steuerliche Voraussetzungen des Bundeslands schriftlich klären.
Geförderte Sanierung kann gegenüber Neubau die bessere Option sein. In einzelnen Regionen kann ein wachsendes Angebot an geförderten Mietwohnungen zudem den Druck auf frei finanzierte Mietwohnungen erhöhen.
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